Tödlicher Buntmetalldiebstahl?Polizei nimmt zwei Männer nach Hauseinsturz in Görlitz fest

Drei Tote, Trümmerberge, zwei Festnahmen: Die Polizei hat den tödlichen Einsturz eines Hauses womöglich aufgeklärt. Offenbar sind Buntmetalldiebe für die Katastrophe verantwortlich. Was bisher bekannt ist.
Drei Wochen nach dem tödlichen Einsturz eines Hauses im sächsischen Görlitz sind zwei mutmaßliche Buntmetalldiebe im Visier der Ermittler. Sie stehen im Verdacht, die Rohrleitungen im Gebäude beschädigt und/oder manipuliert zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntagabend mit. Die Männer wurden festgenommen und sitzen - wegen anderer Tatvorwürfe - bereits in U-Haft.
Die Ermittler suchen Zeugen, die Angaben zu den Männern machen können. Es wurde eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die "zur Aufklärung der Tat und zur Verurteilung der Täter führen". Einheimische seien ebenso als Zeugen gefragt wie Touristen. Bilder und Personenbeschreibungen wurden veröffentlicht.
Es werde wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung ermittelt, hieß es. Zuvor hatte die MDR-Sendung "Kripo live" berichtet.
Diebe gelangten in das Haus
Bei dem Unglück waren am 18. Mai drei Menschen ums Leben gekommen. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die beiden Tatverdächtigen am Nachmittag des Tages im Umfeld des Hauses unterwegs waren und nach "stehlenswertem Gut" gesucht haben. Sie hatten es demnach unter anderem auf Fahrräder, Schrott, Kupferleitungen sowie Buntmetalle abgesehen.
"In diesem Zusammenhang prüften sie an diversen Haustüren, ob sich diese öffnen ließen, um in die Hausflure beziehungsweise Keller zu gelangen", schreiben Polizei und Staatsanwaltschaft. Inzwischen sei bekannt, dass sich die beiden Männer auch Zutritt zum Haus in der James-von-Moltke-Straße 21 verschafften - das ist das am späten Nachmittag eingestürzte Gebäude.
Was konkret nach dem Betreten des Hauses passierte, wird untersucht. "Diese sind durch den Einsturz des Gebäudes und die zunächst erforderliche Beräumung des Trümmerfeldes erschwert", heißt es. "Bisher ist daher die Begehung der Kellerräume noch nicht möglich."
Polizei sucht Zeugen
Bei den Verdächtigen handele es sich um einen 27 Jahre alten polnischen und einen 33-jährigen afghanischen Staatsangehörigen, sagte ein Pressesprecher der Görlitzer Polizei im MDR. Die Männer seien bereits "in anderer Sache" in Untersuchungshaft.
Die Polizei sucht Zeugen, die die beiden Tatverdächtigen am 18. Mai gesehen haben. Die James-von-Moltke-Straße werde viel befahren und begangen, weil sie das Stadtzentrum von Görlitz mit den südlich gelegenen Stadtteilen verbinde, heißt es.
Riesiger Trümmerberg
Bei dem Unglück waren zwei Touristinnen aus Rumänien im Alter von 25 und 26 Jahren ums Leben gekommen. Zudem starb ein 48-jähriger Mann, der aus Bulgarien stammte und auch die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungshundestaffeln suchten tagelang nach den Vermissten. Teilweise arbeiteten sie sich mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg.
Bisher wurde vermutet, dass eine Gasexplosion das Unglück verursacht hat. Die Ermittler schreiben zum Tatvorwurf "Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion": Das Wort Sprengstoff sei nur beispielhaft genannt. Zur Erfüllung des Tatbestandes reiche jede plötzliche Ausdehnung von Gasen oder Dämpfen aus, die eine plötzliche Kraftentfaltung bewirkt. "Es kommt also rein auf den physikalischen Vorgang der Explosion an, nicht auf das verwendete Material."